Die Anfänge der Luftfahrt in MerseburgIn den Jahren 1909/10, als allgemein das Fliegen im Flugzeug noch für eine besonders umständlich ausgeklügelte Art des Selbstmordes gehalten wurde, scharte sich die flugsportbegeisterte hallesche Jugend um den bekannten Kaiser-Manöver-Kraftfahrer Münster, den Altmeister der Flugkunst der Stadt Merseburg. Unter Ihnen befand sich auch Georg Lauer.

Dieser zog im Mai 1910 mit seiner Familie nach Merseburg in die Leunaer Straße 8 - 12. Er gründete eine Chauffeurschule und im Oktober 1910 war er selbständiger Gewerbetreibender eines Lohnfuhrparkes mit ca. 30 Kraftfahrzeugen. Dieses Geschäft erzielte von Anfang an einen guten Gewinn. Da er ein begeisterter Anhänger der Fliegerei war, baute er am Südrand der Fliegerschule in Beesen eine Flugzeughalle und begann Flugzeuge in eigener Konstruktion zu entwerfen, zu bauen und Flugversuche zu unternehmen. Die bekanntesten Lauer-Konstruktionen waren der Eigenbau-Eindecker DÄDALUS und der Doppeldecker L II.

Er absolvierte mit der DÄDALUS erfolgreiche Flüge über Beesen, Ammendorf und über den Exerzierplatz im Süden von Merseburg. Noch im Jahr 1912 experimentierte Lauer weiter und baute seinen Doppeldecker L II. Zu dieser Zeit tauchte erstmalig der Name Rudolf Oeltzschner auf. Nach zwei überlebten Abstürzen meldete Georg Lauer 1914 seinen Gewerbebetrieb in Merseburg ab.

Rudolf Oeltzschner wurde 1916 als Militärflugzeugführer ausgebildet und bis zum Ende des 1. Weltkrieges als Pilot eingesetzt. Als sich das Flugwesen nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland neu formierte, die Verkehrsfliegerei sich national und international erfolgreich entwickelte, fand auch der Sportflug in der Region Sachsen-Anhalt mehr und mehr an Bedeutung. Erst kürzlich wurde ein Flugplan vom damaligen Flugplatz Halle/Leipzig mit 14 Fluglinien von 1927 entdeckt.

Am 24. Juni 1925 wurde die Ortsgruppe Merseburg im Deutschen Luftfahrer Verband (DLV) gegründet. Erster Höhepunkt war der Großflugtag am 16. August 1925. Um die Bedeutung dieses Tages hervorzuheben, kaufte die Ortsgruppe kurze Zeit nach ihrer Gründung ein eigenes Flugzeug. Dieses Flugzeug vom Typ "Rumpler-Doppeldecker C1" wurde auf dem Flugplatz Halle-Nietleben stationiert. Dringend benötigt wurde ein Flugplatz in Merseburg. Ein geeignetes Gelände lag westlich vom Gut Rusches-Felde. Der neue Merseburger Flugplatz wurde bis zum 16. August 1925 provisorisch fertig. Am Großflugtag erfolgte die erste Flugzeugtaufe in Merseburg. Der Rumpler-Doppeldecker erhielt den Namen "RABE". Die absolute Sensation dieses Tages war der Fallschirmabsprung aus dem "Merseburger Raben", ausgeführt vom halleschen Meisterpilot Hans Meisterknecht.

Eine der Attraktionen waren Rundflüge mit einem Junkersflugzeug "F13" der Deutschen Lufthansa über Merseburg. Die F13 war das erste mehrsitzige Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt und wird als Urmuster aller modernen Verkehrsflugzeuge anerkannt.

In der Zeit bis 1935 kam es zu zahlreichen Veranstaltungen auf dem Marktplatz in Merseburg und in Leuna sowie auf dem Fliegerhorst Merseburg. Besondere Höhepunkte dabei waren Segelflugzeugtaufen.

Rudolf Oeltzschner, Mitbegründer der Ortsguppe Merseburg im DLV, erzielte in den Jahren bis 1935 zahlreiche Erfolge. Am 27. Oktober 1932 flog er in Laucha einen Dauerflug-Hangrekord von 4 Stunden und 10 Minuten in der Höhe von 400 Metern. Höhepunkt war der Langstreckenweltrekord am 31. Juli 1935. Gemeinsam mit 3 weiteren Segelfliegern gelang ein Nonstop-Flug über 502 km von der Wasserkuppe bis nach Brünn (heute Brnó in Tschechien).

Rudolf Oeltzschner verunglückte tödlich am 1. August 1935 bei einem Überführungsflug nach Hof.