Mitglieder der Gruppe „Druck-, Schreib- und Rechentechnik" des Museumsvereines analysierten die ins Internet gestellten Bilder. Dabei entdeckten sie eine Lochkartensortiermaschine aus dem VEB Büromaschinenwerke Sömmerda (BWS), ohne zu wissen, um welch einen besonderen Fund es sich dabei handeln sollte.
Wir nahmen daher Kontakt mit den Robotron-Freunden auf, die zunächst weitere Informationen lieferten. Mit ihnen wurde dann der schwierige Transport von Dortmund in den Flugzeug – und Technik – Museumspark Merseburg vereinbart. Der Transport und damit die Rettung dieser außergewöhnlichen Sortiermaschine erfolgte dann am 22. April 2012 durch Freunde der „digital Computer-& Elektronik Arbeitsgemeinschaft Halle"
(http://www.digital-ag.de.vu). Durch die hohe Eigenmasse der Sortiermaschine, schätzungsweise etwa 350 kg, waren zur Be- und Entladung neben Muskelkraft technische Hilfsmittel notwendig (Gabelhubwagen). Die Abmessungen der Sortiermaschine sind etwa 151 x 55 x 111 cm (B x T x H).
Die anfallenden Transportkosten übernahmen die Vereinsmitglieder der Gruppe „Druck-, Schreib- und Rechentechnik".
Weitere Informationen zur „Dortmund-Story" und dem ursprünglichen Zustand der Sortiermaschine sind zu finden unter den Sonderbeiträgen im Robotronforum
(Zurück in die Heimat: Rechentechniksammlung Dortmund).
Dort gibt es ein umfangreiches Text- und Bildmaterial.
Nun waren wir in den Besitz einer Sortiermaschine aus DDR-Produktion gekommen, die bisher als ausgestorben galt.
Diese Sortiermaschine war in der Lagerhalle mehr als drei Jahre trocken untergestellt, aber nicht direkt durch eine spezielle Abdeckung geschützt. So konnte sich während der Lagerzeit Staub und Vogelkot auf und in der Maschine ansammeln (Bild 1).
Durch eine erfolgte Grundreinigung konnte Staub und Vogelkot beseitigt werden (Bild 2). Dem schloss sich eine umfangreiche Bestandsaufnahme an, die Aussagen zum Maschinentyp und zum Zustand der Sortiermaschine lieferte. Das war Voraussetzung um selbige in unsere bestehende Dauerausstellung aufgenommen zu werden.
Es sind noch weitere Reinigungs- und Konservierungsarbeiten vorgesehen.
Zur genauen Bestimmung der Sortiermaschine war vor allem das befestigte Typenschild sehr hilfreich (Bild 3). Demnach wurde die Lochkartensortiermaschine daro 433 im VEB Büromaschinenwerk Sömmerda / Thüringen hergestellt. Als Maschinen-Nummer wird die Zahl 3011 angegeben. Die Maschine arbeitete mit 220 / 380 V Wechselstrom und hatte einen Anschlusswert von 450 VA.
Aus dem gleichen Betrieb stammen auch die Lochkartensortierer der Typen daro 431, daro 432 und daro 434.
Zusätzlich ist das Gütezeichen 1 der DDR auf dem Maschinenkörper eingeprägt und bescheinigt damit diesem Erzeugnis eine „gute Qualität" (Das Erzeugnis entspricht dem Durchschnitt des Weltmarktes).
Nach Abgleich verschiedener Informationen zu den anderen produzierten Typen von Lochkartenmaschinen ist für die Sortiermaschine daro 433 ein Produktionszeitraum ab 1957 bis 1967 anzunehmen.
Die Maschine weist einen vergleichsweise guten Erhaltungszustand auf, denn die mechanischen Teile konnten wieder beweglich gestaltet werden (Handantrieb über den Wartungshebel). Leider fehlen einige Elektronenröhren sowie eine Abdeckung. Die Maschine ist zur Zeit nicht lauffähig.

Weitere technische Besonderheiten:
Die daro 433 verfügt über zwei 80-spaltige Bürstensätze zum elektromechanischen Auslesen der Lochkarten.
Die Klappen der Ablagefächer werden über Zugstangen und Magnete gesteuert. Es ist anzunehmen, dass die Lesegeschwindigkeit von Lochkarten bis etwa 600 Stück pro Minute betrug.
Die Sortiermaschine verfügt als Einzige aus der gesamten daro-Reihe über eine Programmiertafel, die aus zwei Abfühlstationen besteht (Bild 4) sowie über Anschlüsse an der Frontseite für elektronische Zusatzgeräte (Bild 5), wie Schreibmaschine oder ASM 18.
(Anmerkung: Die ASM 18 ist ein elektronisches Zusatzgerät für Lochkartenmaschinen zur Ausführung der Grundrechenarten Addition, Subtraktion und Multiplikation und wurde zwischen 1957 und 1962 gebaut.)
Uns stehen gegenwärtig keine speziellen technischen Informationen (Handbuch, Schaltpläne oder Prospekte) zur Verfügung, so dass eine weitere Suche nach entsprechenden Informationsquellen angesagt ist. Vielleicht gibt es noch Zeitzeugen, die sich an die Arbeit mit dieser Maschine und an die Maschinennummer 3011 erinnern und uns weitere Informationen bereitstellen können.

Diese Lochkartenmaschine vom Typ daro 433 ist ein wertvolles technisches Kulturgut, das nur noch als ein Unikat existiert.
Unsere Ausstellung über Druck-, Schreib- und Rechentechnik erfährt damit eine wertvolle Ergänzung des bestehenden Bereiches „Lochkartentechnik".

Text und Bilder (5): Dr. Bernd Flemig und Arthur Wehlisch, Vereinsmitglieder